"Wir waren die Bewacher" - Azubis berichten aus dem Lockdown

Die vergangenen zwölf Monate waren eine ungewöhnliche Zeit für alle. Viele Mitarbeiter in den Platzl Betrieben blieben wegen Kurzarbeit zu Hause, während unsere Azubis, denen dies gesetzlich nicht gestattet ist, die Stellung hielten. Dabei haben sie im eingeschränkten Betrieb unterschiedliche Aufgaben und Projekte übernommen, einige davon außergewöhnlich und unkonventionell. Wir haben unsere Lehrlinge zu Ihren Erfahrungen während der Corona-Zeit befragt.

Theodor (Hotelkaufmann)
Luisa (Köchin)
Lisa (Hotelkauffrau)
Benedikt (Hotelfachmann, Azubi-Sprecher)
(im Bild v.l.n.r.)


Die Platzl Hotels haben ihre Türen wieder geöffnet und die Außengastronomie darf hoffentlich bald nachziehen. Doch wie war das Gefühl, während des Lockdowns und der Betriebsschließung, so ohne Gäste & Kollegen? Welche Aufgaben hat man euch gegeben?

Theo: Ich denke, wir haben uns alle bisschen verloren gefühlt, wir wollen ja arbeiten und von den Kollegen lernen. Von Instandhaltung und Housekeeping habe ich vorerst genug gesehen, daher freu ich mich, dass es bald wieder los geht (lacht).

Lisa: Es ist einfach surreal in einem so großen Hotel allein oder zu zweit zu sein. Wenn man E-Mails oder Anrufe ohne Vorgesetzte beantworten muss, fühlt man schon eine große Verantwortung, doch an der Erfahrung wächst man.

Luisa: Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl und es hat mich einige Überwindung gekostet, wenn ich z.B. Sicherheitsrundgänge allein durch das leere Haus machen musste. Davon abgesehen ging’s aber auch oft recht lustig zu und auch die Geschäftsleitung hat immer versucht positive Stimmung zu verbreiten.

Bene: Genau und wir waren sozusagen die „Bewacher“ vom PLATZL, einem der Traditionshotels Münchens. So viel Verantwortung in so jungen Jahren stärkt natürlich ungemein. Ansonsten haben wir Zeit genutzt Berichtsheft zu führen, für die Schule zu lernen oder vereinzelte Spezialaufgaben zu erledigen.


Was war für euch persönlich eine Herausforderung?

Lisa: Mental mit dem Alleinsein in einem so großen Hotel zurecht zu kommen war ganz schön herausfordernd. Ich glaube aber, dass wir das alle ganz gut gemeistert haben.

Theo: Sich jeden Tag zu motivieren in die Arbeit zu kommen, obwohl man weniger als gewohnt zu tun hat. In Sachen Selbstdisziplin habe ich die letzten Monate auf jeden Fall eine Menge gelernt.

Bene: Auch der Unterricht in der Berufsschule war ja größtenteils virtuell. Dadurch war viel Selbstorganisation und Eigeninitiative gefragt, um beim Stoff nicht hinterherzuhinken.

Luisa: Nicht nur Selbstdisziplin und Eigeninitiative hab‘ ich gelernt (lacht): Ich hatte vor Corona noch nie Telefondienst im Hotel oder war anderweitig mit Gästen in Kontakt. Durch den Lockdown wurde ich also ins kalte Wasser geworfen, was mir viel Selbstvertrauen gegeben hat.


Was habt ihr am meisten vermisst in dieser Zeit?

Lisa: Das Zwischenmenschliche und die Nähe zu Gästen und Kollegen! Manchmal braucht man einfach ein nettes Gespräch in Person oder eine Umarmung. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder Menschen im Hotel zu haben.

Theo: Ab und zu ist es zwar ganz schön, wenn der Chef nicht da ist, aber das Mentoring und die Führung gehen einem schon ab nach einer gewissen Zeit. Ich freue mich auf ein normales Arbeitspensum und darauf, Neues zu lernen.

Bene: Die Hotellerie ist normalerweise eine sehr abwechslungsreiche Branche: Jeden Tag volles Haus, unterschiedliche Kollegen und Gästetypen. Die letzten Monate waren im Vergleich dazu schon eher eintönig.

Luisa: Wie Bene, fehlt auch mir das „volle Haus“. So verrückt es vielleicht klingen mag, aber Stress in vernünftigem Maße macht Spaß. Es ist zwar anstrengend, gleichzeitig arbeitet man gemeinsam im Team und der Zusammenhalt ist was ganz Besonderes, wenn alle in ihrem Element sind.


Hattet ihr einen Moment oder ein Erlebnis im Lockdown, der für euch sehr prägnant war bzw. in Erinnerung bleiben wird?

Lisa: Als ich das erste Mal allein das komplette Hotel abschlossen habe. Normalerweise ist das PLATZL ja rund um die Uhr geöffnet und man riegelt nicht alles ab. Auf dem Nachhauseweg und im Bett habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich wirklich alle Lichter ausgemacht habe und alle Türen abgeschlossen habe.

Theo: Ich habe am 18.12. hautnah die Schließung mitgemacht, das war schon ein Moment, den man erst mal nicht vergisst.

Luisa: Mir ist ein kleiner technischer Fehler unterlaufen, weshalb uns der Fettabscheider übergelaufen ist. Die Scham und das anschließende Putzen werde ich bestimmt nie vergessen, doch andererseits wird mir dieser Fehler auch kein zweites Mal passieren.

Bene: Ich weiß noch, wie ich die ersten Male nachts durch das Hotel gelaufen bin. Man hat nur die Taschenlampe, sonst ist alles dunkel und manche Türen fallen verzögert ins Schloss – da hat es mich echt oft gerissen.


Was lief gut in den letzten Monaten?

Theo: Wir Auszubildenden sind definitiv unter den Aufgaben gewachsen. Ich glaube, die Verantwortung, Überwindung, Lernbereitschaft und Flexibilität, die wir lernen mussten, wird uns in Zukunft sehr helfen.

Lisa: Der Zusammenhalt bei den Azubis, und dass man sich auf seine „Leidensgenossen“ verlassen konnte, das werde ich nie vergessen. Man muss aber fairerweise sagen, dass uns auch die Führungskräfte und die Geschäftsleitung nie allein gelassen haben – wir konnten immer jemanden erreichen.

Luisa: Ich muss auch sagen – wir Azubis waren einander die stärkste Stütze, da nur wir gegenseitig unsere Situation wirklich nachvollziehen konnten. Das war sehr schön und hat uns z.B. auch geholfen, die vielen Schulungen, die uns vom Betrieb angeboten wurden, erfolgreich durchzuziehen.

Bene: Es sind durch diese Ausnahmesituation und das, was man gemeinsam erlebt hat, Freundschaften entstanden, die sich sehr positiv auf die Arbeit auswirken dürften.


Worauf freut ihr euch am meisten, wenn es wieder los geht und was wird die größte Veränderung für euch sein?

Luisa: Ich freue mich auf ein volles Haus, die Arbeit im Team und neue Aufgaben. Gleichzeitig wird es ungewohnt, dass man trotz Wiedereröffnung z.B. auf Distanz bleiben muss.

Theo: Ich freue mich auf meinen Abteilungswechsel, dass wieder Leben einkehrt und ich Neues lernen kann. Gleichzeitig wird es ungewohnt sein, wieder mit Dienstkleidung und unter Vorgesetzten zu arbeiten.

Bene: Ich freue mich darauf, mal wieder einen Tag „durchzupowern“ und zu wissen, was ich geschafft habe. Außerdem wird es schön sein, endlich wieder eine Vielzahl an Menschen zu treffen.

Lisa: Ich freue mich darauf, Lebensfreunde und Hoffnung in anderen zu sehen und auch selbst zu fühlen. Und ich wünsche mir, die gegenseitige Wertschätzung, den Respekt und den Zusammenhalt wie bisher beizubehalten.


Im Bezug auf deine Ausbildung: Hast du Sorgen oder Ängste, dass aufgrund von Corona deine Ausbildung leidet?

Lisa: Eher im Gegenteil, würde ich sagen: Es blieb oftmals sogar mehr Zeit mir Dinge zu erklären und durch die Verantwortung, die wir bekommen haben, wurde manches sehr viel intensiver gelernt. Darüber hinaus blieb unglaublich viel Zeit für Trainings & Schulungen. Ich denke im Platzl, muss sich kein Azubi Sorgen machen, nicht genug auf das Arbeitsleben vorbereitet zu werden!

Theo: Ich habe mich hier jederzeit gut aufgehoben gefühlt und wurden mit Trainings und Weiterbildungen versorgt.

Luisa: Hatte nie Kündigungsängste oder Angst, dass ich fallen gelassen werde. Die Platzl-Verantwortlichen haben uns immer unterstützt und das Beste aus der Situation für uns herausgeholt.

Bene: Wir haben Vertrauen in unseren Arbeitgeber, und es wurde immer sehr viel gegeben für uns. Ausbildungsinhalte wurden z.B. mit Schulungen vermittelt und praktische Lücken werden auch im heruntergefahrenen Betrieb bestmöglich gefüllt. Ich hoffe aber natürlich, dass auch unsere neuen Azubis bald mal erleben dürfen, wie der Betrieb im PLATZL normal aussieht.


Bene, eine letzte Frage an dich: Inwieweit warst du als Azubi Sprecher in den letzten Monaten gefordert und wie ist die Stimmung unter Euch Azubis?

Bene: Wie bereits erwähnt, die Situation hat einfach einen unglaublichen Zusammenhalt zwischen uns Azubis hergestellt. Wir haben uns gegenseitig aufgebaut, unterhalten und wir waren immer füreinander da. Ich habe dabei einfach versucht eine Positivität vorzuleben und ich denke das wurde von allen auch so wahrgenommen.